Andacht
Liebe Leserinnen und Leser,
jetzt beginnt die Zeit im Jahr, in der viele Menschen in den Urlaub fahren. In die Berge, ans Meer – einfach mal ein paar Tage rauskommen.
Wer vor ein paar Wochen an die Ostsee in die Nähe der Insel Poel gefahren ist, konnte ein seltenes Naturschauspiel erleben: Ein Buckelwal saß fast zwei Monate auf einer Sandbank fest – und wurde damit zur Mediensensation. Touristen, Tierschützer, Gesundheitsorganisationen und Umweltministerien haben ihre ganze Aufmerksamkeit diesem Wal gewidmet. Angesichts der vielen Krisen im In- und Ausland war der Wal wohl eine der wenigen Schwierigkeiten, die sich in unserem Land auf absehbare Zeit lösen ließ. Manchmal ist es einfacher, sich auf ein konkretes Problem zu konzentrieren statt auf viele verschiedene Baustellen, die sich nicht so präzise greifen lassen.
Ich habe mich bei der Walgeschichte einmal mehr gefragt, was unsere Aufgabe als Christen eigentlich ist. Hätten wir zur Ostsee fahren müssen, um den Wal höchstpersönlich wieder zurück ins Meer zu schieben? Hätten wir von Hermannsburg aus für ihn oder die Helfer vor Ort beten sollen? Oder geht es beim Christsein eher darum, die Schöpfung Gottes noch einmal neu in den Blick zu nehmen und vorrangig erst einmal dankbar zu sein für das, was wir da erleben – so tragisch das Schicksal dieses einen Wals auch ist?
Mich hat diese Geschichte zumindest wieder etwas demütiger gemacht gegenüber den Kräften, die in der Natur herrschen.
Gerade unter Walen gibt es echte Wunder zu entdecken:
• Buckelwale können komplexe Lieder singen, die sich nach aktuellen Trends richten und über hunderte Kilometer unter Wasser zu hören sind.
• Pottwale können über 2000 Meter tief tauchen und eine Stunde in der Tiefe bleiben, ohne die Taucherkrankheit zu bekommen.
• Wale legen jedes Jahr tausende Kilometer im Meer zurück – auf exakt denselben Routen. Kein Mensch weiß genau, woran sie sich orientieren (vermutet werden das Erdmagnetfeld, die Sterne oder Meeresströmungen).
Vielleicht kann dieser Sommer für uns eine Zeit sein, in der wir bewusst den Blick auf die Schöpfung Gottes und die Wunder der Natur richten. Nicht so sehr auf das, was belastet, sondern auf das, was Gott uns geschenkt hat und was wir mit wenig Aufwand einfach beobachten können: sei es in den Bergen, am Meer oder im heimischen Garten.
Ich wünsche Ihnen viele spannende Entdeckungen und Gottes Segen für alle Reisen und Ausflüge.
Ihre/eure
Claudia Matzke
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